9. April 2026BLE / Gateway / App
BBQ Thermometer per BLE-Gateway ins WLAN bringen — mit ESP32, MQTT & Home Assistant
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Das Problem: Bluetooth-Reichweite beim Langzeitgrillen
Ich habe ein IBT-2X BBQ-Thermometer mit 2 Fühlern* — ein solides Gerät für den Preis. Einen Fühler ins Fleisch, einen in den Garraum, und auf dem Handy sieht man die Temperaturen. Soweit die Theorie.
In der Praxis: Wer schon mal Pulled Pork gemacht hat, weiß — das dauert 8–12 Stunden. Das Thermometer funkt per Bluetooth, und die App braucht eine ständige Verbindung. Heißt: Ich muss mit dem Handy in Bluetooth-Reichweite bleiben. Mal kurz reingehen, was erledigen, im Garten arbeiten? Verbindung weg, Daten weg.
Das ist Quatsch. Ich will die Temperaturen überall sehen — im Haus, im Garten, unterwegs. Und ich will Alarme, die auch kommen wenn das Handy in der Tasche steckt.
Die Lösung: ESP32 als BLE-to-MQTT Gateway
Die Idee ist einfach: Ein ESP32 steht neben dem Grill, verbindet sich per Bluetooth mit dem Thermometer und schickt die Daten per WLAN weiter. Der ESP32 wird zum Gateway zwischen der Bluetooth-Welt und meinem Netzwerk.
So funktioniert es:
1. Der ESP32 scannt per BLE nach dem Thermometer und verbindet sich automatisch
2. Das Thermometer sendet alle paar Sekunden die Temperaturen beider Fühler
3. Der ESP32 empfängt die Daten und veröffentlicht sie per MQTT im Netzwerk
4. Home Assistant, die Web-Oberfläche oder die App zeigen die Werte an
Die Bluetooth-Verbindung zum Thermometer ist nur noch ~1 Meter (ESP32 steht direkt daneben). Die Daten fließen dann per WLAN ins ganze Haus. Reichweitenproblem gelöst.
Die gesamte BLE-Kommunikation nutzt NimBLE — das spart gegenüber dem Standard-BLE-Stack rund 100 KB RAM und ist deutlich stabiler.
Web-Oberfläche: Temperaturen, Alarme & Vorlagen
Der ESP32 hat eine eingebaute Webseite — einfach im Browser aufrufen, kein App-Download nötig. Das Interface zeigt:
Live-Temperaturen: Beide Fühler groß und übersichtlich, mit BLE- und MQTT-Status und Batterieanzeige des Thermometers.
Alarm-System: Für jeden Fühler einzeln einstellbar. Zieltemperatur eingeben oder eine Vorlage wählen — wenn die Temperatur erreicht ist, gibt es einen Alarm direkt im Browser.
Temperatur-Vorlagen: 11 voreingestellte Zieltemperaturen zum schnellen Auswählen:
- Pulled Pork (93°C), Hähnchen (80°C), Schweinebraten (75°C)
- Steak rare bis well-done (48–68°C)
- Lachs (52°C), Brot (85°C), Kochschinken (70°C)
Temperaturverlauf: Klick auf einen Fühler öffnet ein Diagramm mit Verlauf, Min/Max-Werten und der Alarmlinie. So sieht man auf einen Blick, wie stabil die Temperatur im Smoker ist.
Einrichtung: WLAN und MQTT werden über ein Settings-Menü konfiguriert. Beim ersten Start öffnet der ESP32 einen eigenen WLAN-Hotspot zur Einrichtung.


Home Assistant Integration: Dashboard & Automationen
Per MQTT Auto-Discovery tauchen die Sensoren automatisch in Home Assistant auf — kein YAML editieren nötig. Drei Entitäten werden erstellt:
- Probe 1 Temperatur (Kerntemperatur Fleisch)
- Probe 2 Temperatur (Garraum)
- Batterie des Thermometers
Im Home Assistant Dashboard sehe ich die Temperaturen als Gauges und einen 6-Stunden-Verlauf als Diagramm. Die Farbskala geht von Grün (niedrig) über Lila und Orange bis Rot (>220°C).
Der eigentliche Vorteil von Home Assistant: Automationen. Zum Beispiel:
- Kerntemperatur über 90°C → Telegram-Nachricht aufs Handy
- Garraum unter 100°C → Warnung "Kohle nachgelegt?"
- Batterie unter 20% → Benachrichtigung
Das geht mit der Original-App nicht — dort bekommt man Alarme nur wenn das Handy in Bluetooth-Reichweite ist und die App offen hat.

Flutter App: Monitoring auch ohne Home Assistant
Nicht jeder hat Home Assistant. Deshalb gibt es zusätzlich eine Android-App (Flutter), die sich direkt mit dem ESP32-Gateway verbindet.
Was die App kann:
- Live-Temperaturen beider Fühler
- Alarm-System mit denselben Vorlagen wie die Web-Oberfläche
- Hintergrund-Service: Die App überwacht die Temperaturen auch wenn sie minimiert ist. Erreicht ein Fühler die Zieltemperatur, kommt eine System-Benachrichtigung — auch bei gesperrtem Bildschirm.
- Temperaturverlauf als Diagramm
Der Hintergrund-Service war wichtig: Beim Langzeitgrillen liegt das Handy stundenlang in der Tasche. Die App muss trotzdem Alarm schlagen wenn das Fleisch fertig ist.
Warum nicht einfach einen WLAN-Thermometer kaufen?
Gute Frage. WLAN-Thermometer gibt es, aber:
Preis: Ein gutes WLAN-Thermometer kostet 80–150€. Mein BLE-Thermometer* hat ~25€ gekostet, der ESP32 liegt bei ~8€. Zusammen deutlich günstiger.
Flexibilität: Kein WLAN-Thermometer gibt mir MQTT, Home Assistant Integration, eigene Alarme per Telegram, und eine selbst programmierte App. Ich bin an keine Cloud gebunden und kann das System jederzeit erweitern.
Spaß am Basteln: Ehrlich gesagt — das Projekt hat einfach Spaß gemacht. BLE Reverse Engineering, Web-UI bauen, Flutter App programmieren. Und am Ende schmeckt das Pulled Pork besser wenn man weiß, dass die eigene Technik es überwacht hat.
Mehr technische Details zu diesem Projekt:
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Mike Sobczinski
Embedded-Entwickler und Schichtarbeiter in der Halbleiterindustrie. Baut IoT-Lösungen mit ESP32, LoRa und Home Assistant — von der Firmware bis zum Dashboard.
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